Der Gran Premio Nuvolari 2020 in Italien / Mantova

Der Gran Premio Nuvolarie zählt wohl nicht ohne Grund zu den wirklich großen Veranstaltungen der aktuellen Oldtimer-Events - italienischer Charme, ein breites Teilnehmerfeld und die perfekte Organisation bis ins Detail haben uns nachhaltig überzeugt. Es war ein wirkliches Highlight dieses Jahres. Und dies trotz Covid19. 

Die Teilnahme an diesem Event war zwar schon lange geplant, erwies sich aber für mich als vorbereitende Werkstatt etwas umfangreicher. Zuerst war vereinbart, mit einem gut vorbereitetem 1300er GTA zu starten - aufgrund der Pandemie und der dazugehörenden Wartezeiten seitens der Zulassungsstelle erwies sich dieser Plan jedoch als nicht darstellbar. Nun musste improvisiert werden. Zur Verfügung stand nun noch eine ´64er Giulia Sprint 1600, welche aber noch technisch in bemitleidenswertem Zustand in der Werkstatt schlummerte. Etwas mehr als eine Woche Vorbereitungszeit bis zum Start stellte uns als Werkstatt so vor eine gewisse Herausforderung seitens der technischen Umsetzung.

Der Antrieb vibrierte, das Getriebe ließ sich nicht richtig schalten, die Gänge sprangen heraus, Bremse war praktisch keine vorhanden, nebst den benötigten Utensilien wie Tripmaster, zusätzliche Stromversorgung der Geräte und eine Leselampe, welches es alles noch fachgerecht und unauffällig instand zu setzen bzw. hinzuzufügen galt. Am Dienstag Abend vor der geplanten Abreise Richtung Italien haben wir dann die erste Probefahrt erfolgreich unternommen, das Fahrzeug aufgeladen und den Service-Transporter mit den erforderlichen Ersatzteilen und Werkzeugen bestückt.

 

 

Die Anreise verlief anstrengend, aber unspektakulär. Anstrengend deshalb, weil natürlich die letzten Nächte vor der Tour auch der Vorbereitung zum Opfer gefallen sind. Kurz nach dem Fernpass dann der erste Zwischenstopp bei Wurscht+Durscht...

Die weitere Fahrt über den Brenner bis Mantova war dann aber sehr entspannend.

Zuerst erfolgte die technische Abnahme.

Und dies in einem wirklich historischem Ambiente. Der Palazzo Te in Mantova gehört zu den geschichtlich betrachtet zentralen Orten dieser Stadt. Die Akkreditierung in diesen historischen Hallen war an sich schon bemerkenswert. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle den absolut professionellen Ablauf der Zeremonie vor allem in Anbetracht auf Covid19 - getrennte Tische, viele, viele Mitarbeiter und bestmögliche Desinfektion vor Eintritt garantierten allen Teilnehmern ein hohes Maß an Sicherheit. Auch die Fahrzeugabnahme erfolgte sehr zügig und verlief unauffällig. 

Der Start

Altes Blech soweit das Auge reicht - eine Augenweide. Vom kleinsten Fiat, über kernige Vorkriegsboliden bis hin zum Einzelstück - es war alles vorhanden, was dem Liebhaber dieser Fahrzeuge die Tränen in die Augen trieb.

Die Zeremonie begann mit dem sammeln aller Teilnehmer auf dem Piazza Sordello im Stadtzentrum von Mantova. Bei "nur" ca.150 Teilnehmern aber auch schon eine Herausforderung, die Startrampe zu überfahren. 

Die erste Etappe führte zur Rennstrecke Autodromo Modena, wo es galt einen definierten Durchschnitt auf der Strecke einzuhalten. Anschließend gab es im Eingangsbereich das Mittagessen. 

Die abendliche Ankunft nach dem ersten Tag im Gran Hotel Rimini war ebenso mondän, wie erleichternd. Die Tagesetappen forderten schon ihren Tribut an Material und Konzentration. Viele erreichten das Ziel auch erst am späteren Abend.

Da die Streckenführung über insgesamt ca. 1500 Kilometer durch kleine Ortschaften, winkelige Landstrassen und anspruchsvolle Anstiege führte, war Fahrspass garantiert. 

Auch der große Bogen der Geschichte Norditaliens wurde durch das Erleben der historischen Städte wie Sienna, Udine und Arezzo hautnah durchfahren. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, in alte schwarz-weiß Filme aus den 60ern katapultiert zu sein, wo Lino Ventura aus dem Auto steigt und sich eine Zigarette anzündet...

Da ich die Tour am ersten Tag aus Sicherheitsgründen mit dem Service-Auto begleitet habe, bin ich am zweiten Tag - da sich die Sprint bewährte - mit ins Media-Auto von Hartmut Stöppel gestiegen. Er hatte von FCA eine aktuelle Giulia zur Verfügung gestellt bekommen, um unseren Fotografen Andrea, welcher mit höchsten Einsatz und echter Risikobereitschaft (mit Top-Speed aus dem Seitenfenster hinten hängend den besten Bildern auf der Spur) die Tour im Auftrag der Motor Klassik fotografisch festhielt. Auch hier wurden die unterschiedlichen Mentalitäten der Länder gut sichtbar, da uns eine verdammt schnelle Motorradeskorte der italienischen Polizei stets den Weg frei räumte - allen Geschwindigkeitsbegrenzungen zum Trotz... (in Deutschland wäre dies nicht denkbar)

Am letzten Tag ist auch alles glatt und unfallfrei abgelaufen. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie zuverlässig und belastbar die Giulia Sprint ihren Dienst erledigt hat. Es gab keinen Ausfall, dafür aber eine Menge Spass und Freude.

Die Zielankunft in Mantova fand wiederum auf dem Startplatz statt, wonach es nach erfolgtem Erreichen noch ein stilechtes Abschlussmahl im Palazzo Domenicale gab. Dann hieß es aufladen, sich verabschieden und die Heimreise angehen. Aber auch diese ist problemlos verlaufen.

Abschließend kann ich nur positives über diesen Event berichten - er war für mich zumindest ein echter Zugewinn und ich bin sicher, das es nicht der letzte war...

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